Zurück zum Blog
News

Krankenversicherung in der Schweiz: Modelle, Franchise und Kosten

Wie funktionieren Grundversicherung, Hausarzt-, HMO- und Telmed-Modell? Ein Überblick über Franchise, Selbstbehalt und Zusatzversicherungen in der Schweiz.

Krankenversicherung in der Schweiz: Modelle, Franchise und Kosten

Warum die Krankenversicherung in der Schweiz wichtig ist

Wer in der Schweiz wohnt, muss grundsätzlich eine obligatorische Krankenpflegeversicherung abschliessen. Gleichzeitig können Versicherte den Anbieter, das Versicherungsmodell und die Franchise selbst wählen. Diese Kombination aus Versicherungspflicht und Wahlfreiheit macht einen sorgfältigen Vergleich besonders wichtig.

Die passende Lösung hängt nicht nur von der Prämie ab. Auch der gewünschte Zugang zu Ärztinnen und Ärzten, die erwarteten Gesundheitskosten und die eigene finanzielle Reserve spielen eine Rolle.

Was deckt die obligatorische Grundversicherung?

Der Leistungsumfang der Grundversicherung ist im Krankenversicherungsgesetz (KVG) festgelegt. Alle zugelassenen Krankenkassen müssen deshalb dieselben gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen vergüten.

Unterschiede zwischen den Anbietern bestehen vor allem bei den Prämien, den verfügbaren Versicherungsmodellen, der Rechnungsabwicklung und dem Kundenservice. Die Prämie richtet sich unter anderem nach Wohnort, Alter, Versicherungsmodell, Unfalldeckung und gewählter Franchise.

Wichtig: Für die Grundversicherung müssen Krankenkassen Antragstellerinnen und Antragsteller unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand aufnehmen. Bei freiwilligen Zusatzversicherungen gelten andere Regeln.

Versicherungsmodelle im Vergleich

Versicherungsmodelle der Krankenversicherung in der Schweiz

Standardmodell

Das Standardmodell bietet grundsätzlich die freie Wahl unter zugelassenen Leistungserbringern. Versicherte können sich direkt an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Fachperson wenden. Die hohe Flexibilität geht meist mit einer höheren Prämie einher.

Hausarztmodell

Beim Hausarztmodell ist die gewählte Hausarztpraxis normalerweise die erste Anlaufstelle. Sie koordiniert die Behandlung und überweist bei Bedarf an Spezialistinnen oder Spezialisten. Ausnahmen, etwa für Notfälle, gynäkologische Kontrollen oder Augenbehandlungen, hängen von den Bedingungen der Krankenkasse ab.

HMO-Modell

Im HMO-Modell wenden sich Versicherte zuerst an ein bestimmtes Gesundheitszentrum. Dort arbeiten häufig verschiedene medizinische Fachrichtungen koordiniert zusammen. Das kann Abläufe vereinfachen und die Prämie reduzieren.

Telmed-Modell

Beim Telmed-Modell beginnt die medizinische Beratung in der Regel telefonisch oder digital. Die Beratungsstelle empfiehlt die nächsten Schritte und entscheidet je nach Modell, ob und bei wem eine Behandlung erfolgen soll.

Wer die vorgeschriebenen Abläufe eines alternativen Modells nicht einhält, muss je nach Versicherungsbedingungen mit einer geringeren Kostenübernahme oder anderen Konsequenzen rechnen. Ein Blick in die Modellregeln ist daher unverzichtbar.

Franchise: Welche Höhe kann gewählt werden?

Franchise und Kostenbeteiligung der Schweizer Krankenversicherung

Die Franchise ist der Betrag, den Versicherte pro Kalenderjahr zuerst selbst bezahlen, bevor sich die Grundversicherung an den gedeckten Behandlungskosten beteiligt.

Erwachsene können zwischen sechs Franchisen wählen: 300, 500, 1'000, 1'500, 2'000 oder 2'500 Franken. Die ordentliche Franchise beträgt 300 Franken. Für Kinder gelten andere Stufen; eine Franchise ist für sie nicht obligatorisch.

Grundsätzlich gilt: Eine höhere Franchise senkt meist die monatliche Prämie, erhöht aber das finanzielle Risiko bei Krankheit. Eine tiefe Franchise kann sinnvoll sein, wenn regelmässig medizinische Leistungen benötigt werden. Eine hohe Franchise eignet sich eher für Personen mit voraussichtlich tiefen Gesundheitskosten und ausreichenden Rücklagen.

Für den Vergleich sollte nicht nur die Monatsprämie betrachtet werden. Entscheidend sind die möglichen Gesamtkosten aus Jahresprämie, Franchise und Selbstbehalt.

Selbstbehalt und Spitalbeitrag

Nach Ausschöpfung der Franchise bezahlen Erwachsene in der Regel 10 Prozent der weiteren gedeckten Kosten. Dieser Selbstbehalt ist auf 700 Franken pro Kalenderjahr begrenzt; bei Kindern liegt die Obergrenze bei 350 Franken.

Bei einem stationären Spitalaufenthalt kommt grundsätzlich ein Beitrag von 15 Franken pro Tag hinzu. Davon ausgenommen sind unter anderem Kinder, junge Erwachsene bis 25 Jahre in Ausbildung sowie Frauen bei Mutterschaftsleistungen.

Nicht alle Gesundheitsausgaben sind automatisch gedeckt. Leistungen ausserhalb des gesetzlichen Katalogs und besondere Regelungen können zusätzliche Kosten verursachen.

Zusatzversicherungen: Freiwillige Ergänzung zur Grundversicherung

Zusatzversicherungen können Leistungen abdecken, die über die Grundversicherung hinausgehen. Dazu gehören je nach Vertrag beispielsweise alternative Behandlungsmethoden, Beiträge an Brillen oder Fitnessangebote, eine erweiterte Spitalwahl oder mehr Komfort im Spital.

Anders als bei der Grundversicherung sind Leistungen und Aufnahmebedingungen nicht einheitlich geregelt. Versicherer dürfen Gesundheitsfragen stellen, Anträge ablehnen oder Vorbehalte anbringen. Deshalb sollten Leistungen, Ausschlüsse, Kündigungsfristen und Prämienentwicklung vor dem Abschluss genau geprüft werden.

Grund- und Zusatzversicherung müssen nicht bei derselben Krankenkasse abgeschlossen werden.

Häufige Fragen zur Krankenversicherung in der Schweiz

Welche Krankenkasse bietet die besten Leistungen?

In der Grundversicherung ist der gesetzliche Leistungsumfang bei allen zugelassenen Krankenkassen gleich. Unterschiede gibt es vor allem bei Prämien, Modellen, Service und administrativen Abläufen.

Wann lohnt sich eine hohe Franchise?

Eine hohe Franchise kann sich bei tiefen erwarteten Gesundheitskosten lohnen. Versicherte sollten jedoch genug Geld zurücklegen, um im Krankheitsfall die Franchise und den maximalen Selbstbehalt bezahlen zu können.

Kann die Krankenkasse gewechselt werden?

Ja. Ein Wechsel der Grundversicherung ist unter Einhaltung der geltenden Fristen möglich. Vor dem Wechsel sollten Modell, Franchise, Prämie und regionale Verfügbarkeit verglichen werden.

Sind Hausarzt-, HMO- und Telmed-Modelle schlechter versichert?

Nein. Die gesetzlich gedeckten Leistungen bleiben gleich. Der Unterschied liegt vor allem darin, welche Stelle zuerst kontaktiert werden muss und wie die Behandlung koordiniert wird.

Fazit: Modell und Franchise gemeinsam vergleichen

Die passende Krankenversicherung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Prämie, Franchise, Versorgungsmodell und persönlicher Situation. Wer freie Arztwahl schätzt, bezahlt im Standardmodell häufig mehr. Hausarzt-, HMO- und Telmed-Modelle können günstiger sein, verlangen aber die Einhaltung festgelegter Behandlungswege.

Vor einer Entscheidung lohnt sich ein Vergleich der jährlichen Gesamtkosten und der konkreten Modellbedingungen. So lässt sich eine Lösung finden, die sowohl zum eigenen Gesundheitsbedarf als auch zum verfügbaren Budget passt.

Quellen: Bundesamt für Gesundheit: Prämien und Kostenbeteiligung, BAG: Das Wichtigste zur Krankenversicherung und Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG).

Verfügbare Sprachen

Verwandte Artikel