Schweizer Unternehmen erhöhen ihre Investitionen um 10,2 Prozent. Und das in einer Wirtschaft, die kaum wächst
Die Schweizer Wirtschaft wächst 2026 voraussichtlich nur verhalten. Dennoch planen Unternehmen nach einem schwachen Vorjahr deutlich höhere Ausgaben für Anlagen, Technologie, Bau sowie Forschung und Entwicklung.

Die Schweizer Wirtschaft dürfte 2026 nur verhalten wachsen. Das scheint die Unternehmen des Landes jedoch nicht vom Investieren abzuhalten. Nach einem schwachen Jahr 2025 planen sie deutlich höhere Ausgaben für Anlagen, Technologie, Bau sowie Forschung und Entwicklung.
Die Schweizer Wirtschaft sendet derzeit zwei Signale, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen.
Für 2026 erwarten Ökonomen ein reales Wirtschaftswachstum von lediglich rund 0,9 Prozent. Von einem kräftigen Aufschwung kann also keine Rede sein.
Gleichzeitig wollen Schweizer Unternehmen ihre Bruttoanlageinvestitionen in diesem Jahr nominal um 10,2 Prozent gegenüber 2025 erhöhen. Das zeigt die aktuelle Investitionsumfrage des KOF Instituts der ETH Zürich.
Der Vergleich mit dem vergangenen Jahr macht die Entwicklung besonders deutlich. 2025 waren die Investitionen der befragten Unternehmen noch um 1,7 Prozent zurückgegangen.
Innerhalb eines Jahres hat sich die Stimmung damit spürbar gedreht.
Das Kapital kommt zurück

Genf am Genfersee, Schweiz.
Der Investitionsschub verteilt sich auf mehrere Bereiche.
Bei Ausrüstungen erwarten die Unternehmen 2026 ein Plus von 7 Prozent. Besonders stark entwickeln sich die Bauinvestitionen, die um 17 Prozent steigen sollen. Auch Forschung und Entwicklung gewinnen wieder an Bedeutung. Hier rechnen die Unternehmen mit einem Zuwachs von 6 Prozent.
Das Geld fliesst also nicht nur in neue Gebäude. Unternehmen investieren gleichzeitig in Maschinen, Produktionskapazitäten, Technologie und Innovation.
Interessant ist dabei, wofür das Kapital eingesetzt werden soll. Laut KOF wollen 63 Prozent der Unternehmen mit ihren Investitionen unter anderem ihre Anlagen erweitern. Im Vorjahr waren es 57 Prozent.
Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen, die Investitionen zur Rationalisierung einsetzen wollen, von 32 auf 36 Prozent.
Die Unternehmen wollen also nicht nur wachsen. Sie wollen produktiver werden.
Dienstleistungen und Industrie investieren wieder
Besonders stark ist die Bewegung im Dienstleistungssektor. Nach einem Investitionsrückgang von 2 Prozent im vergangenen Jahr wird für 2026 ein Plus von 12 Prozent erwartet.
Auch die Industrie dreht ins Positive. Nachdem die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe 2025 um 7 Prozent gesunken waren, rechnen die Unternehmen in diesem Jahr mit einem Wachstum von 5 Prozent.
Damit ist die Entwicklung keine Geschichte einzelner Unternehmen oder Branchen. Grosse Teile der Schweizer Privatwirtschaft planen wieder mehr Kapital einzusetzen.
Und genau das macht die Zahlen interessant.
Schwaches Wachstum, hohe Investitionen
Normalerweise bewegen sich Unternehmensinvestitionen eng mit der Konjunktur. Wenn Firmen steigende Nachfrage erwarten, investieren sie. Wenn Unsicherheit zunimmt, werden Projekte verschoben.
2026 sieht die Situation in der Schweiz anders aus.
Der aktuelle KOF Consensus Forecast erwartet für dieses Jahr lediglich 0,9 Prozent reales Wachstum.
Trotzdem investieren die Unternehmen.
Eine Erklärung liegt darin, dass viele Projekte weniger eine Wette auf einen kurzfristigen Wirtschaftsboom sind als eine Investition in die eigene Wettbewerbsfähigkeit.
Maschinen müssen modernisiert werden. Prozesse werden automatisiert. Unternehmen müssen digitaler werden. Forschung entscheidet über Produkte, die erst in einigen Jahren Umsatz bringen.
Für ein Hochlohnland wie die Schweiz ist das besonders wichtig.
Im internationalen Wettbewerb kann das Land kaum über niedrige Arbeitskosten gewinnen. Seine Stärken liegen in Produktivität, Innovation, Technologie und hoch spezialisierten Unternehmen.
Investitionen werden damit zu einer Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
Der Optimismus hat Grenzen

Lugano im Kanton Tessin, Schweiz.
Ganz ohne Risiko ist die Entwicklung allerdings nicht.
Die KOF Umfrage zeigt, dass die Sicherheit, mit der geplante Investitionen tatsächlich umgesetzt werden, weiterhin unter ihrem langfristigen Durchschnitt liegt. Besonders in der Industrie ist die Unsicherheit hoch.
Geopolitische Spannungen, schwächere Nachfrage oder schwierigere Finanzierungsbedingungen könnten Projekte noch verzögern.
Auch für 2027 werden die Unternehmen bereits vorsichtiger. Besonders bei Bau und Ausrüstung könnte die Investitionsdynamik wieder nachlassen.
Eine bemerkenswerte Ausnahme bleibt Forschung und Entwicklung. Hier erwarten die Unternehmen eine weitere Beschleunigung.
Das könnte ein Hinweis darauf sein, wohin ein wachsender Teil des Schweizer Kapitals langfristig fliessen soll.
Die Schweiz investiert nicht in einen Boom
Genau darin liegt die eigentliche Geschichte hinter den 10,2 Prozent.
Schweizer Unternehmen investieren nicht in einer Phase aussergewöhnlich starken Wachstums. Sie tun es bei schwacher Konjunktur, geopolitischer Unsicherheit und zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck.
Nach dem Rückgang von 2025 wird wieder Kapital mobilisiert. Maschinen werden erneuert, Kapazitäten erweitert und Forschung wird ausgebaut.
Sollten die geplanten Investitionen tatsächlich umgesetzt werden, wäre das vielleicht eines der interessantesten wirtschaftlichen Signale aus der Schweiz im Jahr 2026.
Nicht weil ihre Wirtschaft plötzlich boomt.
Sondern weil ihre Unternehmen investieren, obwohl sie es nicht tut.
Quellen
KOF Institut der ETH Zürich: Investitionsumfrage Frühjahr 2026

